Er kommt unweigerlich: der Zeitpunkt, an dem Du in Urlaub fahren willst und Dich fragst, was mit Deinem Depot in dieser Zeit passiert. Am einfachsten wäre es natürlich, einfach nicht in Urlaub zu fahren. Aber das soll ja nicht der Sinn von Geldanlage sein. Ebenso soll es nicht Sinn der Sache sein, den Urlaubsort so auszuwählen, dass es dort WLAN gibt, um dann die ganze Zeit die Börse zu verfolgen.
Was kommt noch in Frage?
Realistischerweise stehen nur drei Möglichkeiten zur Auswahl:
- Alles verkaufen
- Das Depot durch Optionen absichern
- Entspannt in Urlaub fahren und die Depotwerte laufen lassen
Befassen wir uns zunächst damit, einfach alles zu verkaufen. Das macht nur dann Sinn, wenn dieser Schritt ohnehin geplant war. Wenn also das Depot aufgelöst werden soll, um davon z.B. ein Haus zu kaufen.
Einfach alles verkaufen und nach dem Urlaub zurück kaufen, kann zwar die Nerven schonen. Es kann aber auch verdammt teuer werden. Denn zuerst einmal stehen die Transaktionskosten (Brokergebühren, Spread beim Aktienkurs) an, die gleich zweimal gezahlt werden müssen. Nehmen wir an, im Depot befinden sich 30 Positionen. Mit 10 € durchschnittlichen Brokergebühren ist man bei den klassischen Banken dabei. Dann würde allein der Verkauf und Zurückkauf schon 600 € kosten. Mindestens, weil ja noch der Spread (Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs) hinzukommt. Immer unterstellt, die Börse würde nach dem Urlaub auf dem gleichen Niveau sein wie vor dem Urlaub. Dividenden würde es während des Urlaubs dann natürlich auch keine geben. Hat das Depot schon eine ordentliche Kursentwicklung in den Büchern, dann werden zusätzlich Kapitalertragsteuern und Solidaritätszuschlag fällig. Abgesehen davon, dass es teuer ist, schont diese Vorgehensweise auch nicht wirklich die Nerven. Denn wer ist so entspannt im Urlaub, dass es ihn nicht interessiert, wie sich die Börse entwickelt? Schließlich steht das gesamte bisherige Depotvolumen zur Wiederanlage an. Da kann es schon mal einen Unterschied machen, ob die Lieblingsaktie(n) gerade fallen oder steigen. Für uns kommt diese Möglichkeit deshalb nicht in Frage.
Das Depot durch Optionen abzusichern, kostet zunächst auch Geld. Denn die Optionen müssen ja bezahlt werden. Kommt es zu einem Kursrückgang, dann gewinnen die Optionen. Gleichzeitig verliert das Depot an Wert. Die Optionsprämie ist also wie eine Versicherung: Das Depot läuft weiter, im schlimmsten Fall kommt es aber nicht so schlimm. Und wie viel abgesichert werden soll, bestimmt jeder selbst. Das ganze Depot abzusichern, ist – je nach Depotgröße – sehr teuer. Dafür ist dann das Risiko minimiert. Fährt man z.B. nur zwei Wochen in Urlaub, dann kann man sich nach kurzlaufenden Optionen umsehen. Die also aus dem Geld sind und nur noch drei bis vier Wochen bis zur Fälligkeit haben. Sie sind dann nicht so teuer und eine Absicherung einzelner Aktien oder gesamter Indizes ist denkbar. Natürlich sollte das Depot dann auch repräsentativ sein und mit einem Index vergleichbar sein. Klar muss einem sein, dass die Versicherungsprämie dann aber im Falle des Ausbleibens eines größeren Kursrückganges weg ist. Es sind also Kosten, die die Urlaubskosten erhöhen. Das muss einem bewusst sein, damit man nicht jeden Tag im Urlaub mit der Entscheidung hadert und überlegt, die Optionen doch wieder zu verkaufen. Stagniert die Börse oder steigt sie sogar, dann verlieren die Optionen an jedem Urlaubstag etwas an Wert. Bei Urlaubsrückkehr sind sie dann nahezu wertlos.
Entspannt in Urlaub fahren und die Werte einfach laufen lassen, ist die von uns verfolgte Methode. Es braucht – gerade als Börseneinsteiger – seine Zeit, um diese Entspannung zu erreichen. Das funktioniert nur, wenn man fundamental von all seinen Depotwerten überzeugt ist. Wenn keine Spekulationen auf irgendwas den Kaufimpuls ausgelöst haben. Wenn kein Wert unter Beobachtung steht und bei passender Gelegenheit verkauft werden soll. Wenn man sowieso vor hat, alle Aktien ewig zu halten.
Es gibt nicht die Strategie. Jeder sollte das machen, was zu ihm passt.