Eine Anleihe hat einen Nennwert, einen Coupon und eine Laufzeit. Sie notiert in Prozent. Die meisten für Privatanleger kaufbaren Anleihen haben einen Nennwert von 1.000 €. Wenn der Emittent bis dahin nicht pleite ist, zahlt er diesen Nennwert am Ende der Laufzeit an denjenigen, der dann Inhaber der Anleihe ist. Während der Laufzeit zahlt er den Coupon, im Regelfall ist das ein fester Zinssatz über die gesamte Laufzeit. Der Coupon berechnet sich ebenfalls auf den Nennwert.
Das läuft dann z.B. so ab, dass eine Anleihe mit 1.000 € Nennwert, einem Coupon von 3% und 10 Jahren Laufzeit emittiert wird. Im Normalfall entspricht der Coupon ungefähr dem Marktzins zum Emissionszeitpunkt und die Emission erfolgt zu 100% (die Besonderheiten der tatsächlichen Preisbildung sind hier nicht relevant).
Der Investor kauft damit für 1.000 € die Anleihe und erhält 10 Jahre lang zu einem festen Termin jeweils 30 € Zinsen. Nach den 10 Jahren erhält er die 1.000 € zurück.
Wie sich der Kurs während der Laufzeit verändern kann
Das Spannende an Anleihen passiert während der Laufzeit. Denn der Kurs der Anleihe reagiert auf Veränderungen. Entweder bei Veränderungen der Zinslandschaft oder aber auch bei der Bonität des Emittenten, wenn also Zweifel an der Rückzahlung entstehen. Aber genauso auch in der Gegenrichtung, wenn die Rückzahlung wahrscheinlicher wird. Wird z.B. eine Anleihe von einem schwachen Unternehmen ausgegeben und muss es deshalb zu Beginn einen hohen Zinssatz anbieten, dann bleibt dieser Zinssatz (Coupon) ja bestehen. Auch z.B. nach einer Übernahme des Emittenten durch ein stärkeres Unternehmen. Der prozentuale Kurs der Anleihe würde dann steigen.
Durch die prozentuale Kursberechnung lässt sich die Rendite einer Anleihe anpassen. Steigt der Kurs der obigen Anleihe z.B. auf 110%, dann wäre der Coupon (3,0%) nur noch einen Zinssatz von 2,72% „wert“. Tatsächlich ist er aber noch niedriger, da die Rückzahlung ja zu 100% erfolgt und sich die 10% Kursaufschlag über die Restlaufzeit abbauen. Liegt sie z.B. bei 5 Jahren, würde das 2% Abschlag pro Jahr bedeuten. Die Rendite dieser Anleihe läge deshalb nur noch bei 0,72% (vereinfacht gerechnet).
Das führte dazu, dass im Negativzinsumfeld die meisten älteren Anleihen von Schuldner guter Bonität über 100% notierten. Einfach weil sie einen vergleichsweise hohen Coupon hatten und er dann durch den hohen Kurs auf das aktuelle Marktniveau gebracht wurde.
Auch wenn das früher kaum vorstellbar war, aber es gab sogar Notierungen oberhalb von 200%. Käufer zahlten also den doppelten Nennwert, um mit den hohen Coupons im Ergebnis dann doch nur den Marktzins zu erhalten.
Nachdem der Marktzins aber nun so stark gestiegen ist, sind noch viele Anleihen auf dem Kurszettel, die sehr niedrige Coupons haben. Um das auszugleichen, ist der prozentuale Kurs aktuell entsprechend niedrig.
Auch dazu ein Beispiel: Eine Anleihe wurde vor 2 Jahren mit einem Coupon von 0,5% und einer Laufzeit von 10 Jahren emittiert. Der Marktzins liegt jetzt beispielhaft bei 4,5%. Der Kurs dieser Anleihe wird dann (zumindest holzschnittartig) so sein, dass die Differenz von 4% zwischen dem Markzins und dem Coupon mit der Restlaufzeit von 8 Jahren multipliziert wird. Der heutige Käufer hätte also 32% Verlust, wenn er den vollen Nennwert bezahlen würde. Um das zu vermeiden, liegt der Kurs deshalb bei rund 68%.